Silikon-Tutorial 1

Da ich der Meinung bin, dass es im Netz einfach keine brauchbareren Anleitungen übers Herstellen zweiteiliger Silikonformen gibt, schreib ich jetzt einfach selber eine. Bei meinem Beispiel werde ich eine Form zum Zinngiessen bauen. Die Technik und der Aufbau für andere Giessmaterialien sind aber immer dieselben oder zumindest sehr ähnlich. Let’s get started!

Was brauche ich?

  • Silikonkautschuk
  • Formentrennmittel (Vaseline)
  • Borstenpinsel
  • Kinderknete
  • Formbaurahmen
  • Modellierwerkzeug
  • Mischbecher
  • Küchenwaage
  • Haushaltspapier (Küchenkrepp)
  • Rührstäbchen
  • Skalpell oder Cutter

Infos zum Meterial
Es sind jede Menge verschiedener Silikonkautschuke im Handel erhältlich. Je nachdem, was für eine Figur ich abforme oder mit welchem Material ich die Form ausgiessen möchte, wähle ich den entsprechenden Silikonkautschuk. Da ich eine Zinngiessform herstellen will, wähle ich natürlich eine hitzebeständige Variante. Hitzebeständiges Silikon wird meistens mit HB gekennzeichnet (HB = Hitzebeständig). Ich benutze Silikon von der Marke Trollfactory (https://trollfactory.de), das ist im Vergleich günstig und hat eine Super-Qualität!

Es gibt spezielle Formbaurahmen aus Holz oder Alublech zu kaufen. Wer viel abformt tut sich einen Gefallen, indem man sich sowas kauft. Also ich würde meinen Alublech-Rahmen nicht mehr hergeben!
Man kann sich aber auch aus Legosteinen oder Plexiglas selber einen Rahmen basteln.

Die Kinderknete sollte weich und geschmeidig, aber auf keinen Fall klebrig sein. Es ist auch von Vorteil, wenn sie nicht abfärbt (was leider bei mancher Kinderknete der Fall ist). Ich bevorzuge Darwi Softy, eine extrem geschmeidige Knetmasse auf pflanzlicher Basis.

Schritt 1
Als erstes sollte man sich die abzuformende Figur genau anschauen und sich im Geiste die Schnittstellen, Luftkanäle, Einguss-Stotzen etc. vorstellen. Bin ich soweit, fange ich an die Figur in die Kinderknete einzubetten. Mit der Kinderknete simuliere ich eine der zwei Hälften der Form. Hier sollte genau und präzise gearbeitet werden! Wenn ich hier schlampe, habe ich nicht nur schlechte Schnittstellen, sondern kann auch Probleme mit dem Auslösen des Giesslings haben. Deswegen: Nehmt euch für diese Arbeit Zeit! Mir helfen dabei Modellierwerkzeuge. Mit denen mache ich auch Vertiefungen (Keys) in die Knete rein. Diese sind für später wichtig, damit die beiden Formhälften schön ineinander greifen.

Tipp vom Profi: Die beiden Hälften der Giessform sollten am Ende so ineinandergreifen, dass sie nicht wieder auseinanderfallen. Als Keys mache ich deswegen nicht nur Vertiefungen, sondern drücke auch kleine Holzkugeln in die Knete.

Keys. Holzkugeln, in die ich einen Spiess reingesteckt habe. Das gibt der Holzkugel in der Knete besseren Halt und die Gefahr, dass sie sich löst und im flüssigen Silikon obenauf schwimmt ist geringer. Die kleineren Keys sind abgesägte Köpfe von Spielfiguren.

Schritt 2
Sitzt die Figur schön in der Kinderknete, stecke ich die Wände des Formbaurahmens zusammen. Gebt der Figur mindestens einen Abstand von einem Zentimenter zur Wand. Lieber grosszügiger sein, besonders bei Zinngiessformen. Ich achte auch darauf, dass die Wände rundherum mit Kinderknete abgedichtet werden, damit mir der flüssige Silikonkautschuk nicht auslaufen kann. Ich dichte die Wände sogar im Innenraum ab – sicher ist sicher.

Bei dieser Form habe ich noch ohne Holzkugel-Keys gearbeitet. Damals wusste ichs noch nicht besser.

Schritt 3
Jetzt mache ich den Silikonkautschuk an. Bei der Marke Trollfactory ist das Mischverhältnis 1:1, was bedeutet, ich wiege zwei gleich schwere Teile mit Hilfe der Küchenwaage ab und mische alles zusammen. Ich benütze dafür den Mischbecher und ein Rührholz. Mischt die Komponenten bedächtig, damit nicht zu viele Luftblasen entstehen. Sind die beiden Komponenten gut vermischt (einheitliche Farbe), giesse ich den Silikonkautschuk langsam und von hoch oben in eine Ecke der Form hinein. Die Flüssigkeit soll sich ihren eigenen Weg über die Figur suchen und das langsame Eingiessen von oben reduziert Luftblasen. Nun wartet man ein paar Stunden bis das Silikon fest wird (kann zwei bis drei Stunden dauern).
Die Figur sollte auch da mindestens einen Zentimenter mit Silikon bedeckt sein. Bei Zinngiessformen sollte es sogar mehr sein, besonders bei dickeren Figuren. Lieber grosszügig sein.

Schritt 4
Ist die Masse fest geworden, entferne ich die Wände des Formbaukastens, nehme den ganzen Block aus Silikonkautschuk und Kinderknete in die Hand und trenne die beiden Materialien. Im Normalfall geht das ganz leicht. Et voilà, die erste Formhälfte ist gegossen! Die Kinderknete brauche ich jetzt nicht mehr. Ich entferne sie vorsichtig von meiner Figur und, falls noch Reste daran hängen, auch von der Silikonformhälfte.

Schritt 5
Ich drücke meine Figur wieder in die Silikonformhälfte und lege sie wieder zurück in meinen Formbaukasten. Ich fette alles ganz GANZ gut mit Formentrennmittel (Vaseline) ein. Das ist der wichtigste Schritt von allen, denn dank dem Formentrennmittel kann sich der flüssige Silikonkautschuk nicht mit dem harten Silikonkautschuk verbinden! Schlampe ich da, kann die ganze Form ruiniert werden! Ich benütze zum Auftragen einen Borstenpinsel. Ist alles eingefettet, baue ich die Wände wieder auf, dichte diese wieder mit Kinderknete ab und giesse die finale Schicht. Jetzt wieder warten, bis das Silikon fest geworden ist.

Schritt 6
Habe ich alles gut gemacht, kann ich mit leichter Gewalt die beiden Formenhälften voneinander lösen und meine Figur daraus entnehmen.Jetzt muss ich nur noch mit dem Skalpell den Einguss-Stotzen und Luftkanäle reinschneiden und fertig ist meine Giessform!

Fertige Form mit Luftkanälen und Einguss-Stotzen.

Das Abformen ist im Grunde keine schwere Sache, solange ich meine Vorkehrungen gut treffe. Sollte mal eine Form in die Hose gehen, lasst euch nicht entmutigen. Mit der Übung kommt die Erfahrung. Zudem ist es einfach ein tolles Gefühl, wenn man den ersten Giessling aus der Form holt und sieht, dass man alles richtig gemacht hat.

Im Handel sind übrigens auch tolle Bücher übers Abformen erhältlich. „Formen selbst gemacht“ von Klaus-P. Lührs ist jedem ans Herz gelegt, der es mit Abformmassen genauer wissen will.

Ich wünsche euch viel Spass beim Bauen eurer eigenen Silikonformen!